Borkum: True Crime-Autorin Hariett Drack zu Besuch auf Deutschlands ruhigster Insel

Shownotes

https://www.gaestehaus-victoria.de/

Harriet Drack

https://hariettdrack.de

Schnitt und Bearbeitung:

Tonstudio Moritz Maier

https://moritzmaier.net

Aufgenommen mit Track E´s von Tentacle Sync aus Köln

https://tentaclesync.com

Sprecher Intro & Outro: Sven Weikam https://weikam-medien.de

Transkript anzeigen

00:00:02:

00:00:11: Wunderbar!

00:00:12: Auf die Minute genau ist es jetzt Nachmittag am Dienstag auf der schönen Insel Borkum.

00:00:17: In unserem Podcast stagen wir heute einmal ein ganz neues Kapitel auf.

00:00:21: Zu Gast ist eine Gerichts- und Polizeireporterin aus Köln, die in über vierzig Jahren wahre, ja, wirklich schlimme Verbrechen und auch echte menschliche Abgründe erlebt hat.

00:00:32: Ihr Name ist Harja Drack.

00:00:33: Herzlich willkommen.

00:00:35: Ja, ich begrüße Sie auch.

00:00:36: Es ist wunderschön.

00:00:37: Wir haben einen tollen Tag.

00:00:38: Es ist nicht zu windig.

00:00:39: Und ich finde für November ein großartiges Wetter.

00:00:43: Da kann ich nur zustimmen.

00:00:44: Harja Drack hat natürlich einen Alter.

00:00:46: Wir haben uns aber darauf geeinigt, dass ich das hier an der Stelle nicht nenne.

00:00:50: Was ich aber sagen möchte, wir haben kein Video dabei.

00:00:53: Sie sieht mit ihrer markanten Brille und der tollen Frisur ein bisschen auswählende Künstlerin.

00:00:59: Und sie hat bereits zwei Bücher zu den spektakulärsten und bezahsten Kriminalfällen aus ihrer Laufbahn geschrieben.

00:01:05: True Crime nennt sich das Gioro Neumodern.

00:01:08: Ich nenne das jetzt einfach mal... Kriminalgeschichten, die nicht erfunden sind, kann man sagen.

00:01:12: Genau,

00:01:13: das trifft sogar sehr gut, weil viele mit True Crime, also gerade die ältere Generation, das stößt so ein bisschen ab.

00:01:19: Diese Agnizismen und echte wahre Kriminalfälle, so kann man es auch bezeichnen.

00:01:23: Frau

00:01:23: Dracke, wir stehen jetzt vor der Vela Victoria, direkt an der Promenade hier am Nordstrand.

00:01:29: Das Wetter für Anfang November ist wirklich wunderbar herbstlich.

00:01:32: Es ist kein Regen angesagt, wir haben sogar ein bisschen Sonne, ein bisschen Wind.

00:01:36: Mal gucken, was die Mikrofone machen, aber so kann man es aushalten.

00:01:39: Ich finde es auch großartig, wunderbar.

00:01:42: Man kann den lieben Bogot nur danken, dass es so ein Traumtag ist.

00:01:46: Haben Sie Lust auf einen schönen Spaziergang mit mir durch die wunderschöne Natur?

00:01:50: Dann laufen wir los und gucken mal, dass wir genau in die Richtung laufen, dass uns der Wind von hinten in die Mikrofone reinpustet, damit die Hörer auch ordentlich was verstehen können.

00:01:59: So, ich fange gleich mal an.

00:02:01: Thema Borkum, was macht denn mit Ihnen diese besondere Insel?

00:02:05: Nordseestimmung, so schöner Waldblick hier am Strand, die gute Luft, kaum Lärm?

00:02:09: Was macht das mit Ihnen?

00:02:11: Also erst mal muss ich sagen, ich bin ja nicht das erste Mal auf Borkum.

00:02:13: Ich glaube, ich war vor fünfzehn Jahren das erste Mal hier.

00:02:16: Und ich sage jedes Mal, die Insel haut mich um.

00:02:19: Die ersten drei Tage bin ich KO.

00:02:21: Ich liege flach, war der Reizklima.

00:02:23: Das haut einen so schön um.

00:02:24: Der Körper ist so wunderbar tiefenentspannt.

00:02:27: Und man ist so, man ist so völlig alle und will eigentlich nur alle vier gerade sein lassen.

00:02:32: Es ist einfach nur fantastisch.

00:02:34: Also ich bin ja eigentlich ein Freund der Berge.

00:02:36: Kirchberg bei Kitzbühl in Tirol ist eigentlich mein Herzensort.

00:02:40: Aber ich schwanke immer mehr, weil ich die noch sehe.

00:02:43: Und hier bau kommt dieses Klima.

00:02:45: Das ist einfach ... Gut, das toppt eigentlich noch mal das Bergklima, muss ich wirklich sagen.

00:02:51: Ich werd ja nicht viel bezahlt, aber ich muss ganz ehrlich sagen, mich macht das süchtig.

00:02:54: Deswegen komme ich auch so oft hierhin und das ist echtes Durchatmen.

00:02:58: Genau.

00:02:58: Und ich kann ja jetzt schon sagen, dass ich nächstes Jahr sogar alle sieben Inseln an die ostfriesischen Inseln besuchen werde mit meinem Crime Talk oder mit meinen echten wahren Geschichten.

00:03:09: Weil die Leute es auch toll finden und ich es auch toll finde.

00:03:12: Und das ist ja dann Urlaub und Job kombiniert.

00:03:15: Jetzt kommt sogar die Sonne raus, großartig.

00:03:17: Großartig.

00:03:19: Ja, wenn Engel reisen, oder wie sagt man?

00:03:20: Ja, exakt, genau.

00:03:21: So, bevor es jetzt richtig weitergeht, noch ein kurzer Hinweis in eigener Sache.

00:03:26: In unserem Gespräch gleich wird es ja auch um Kriminalfälle, Mord und menschliche Abgründe gehen.

00:03:32: die von unserer Autorin journalistisch aufgearbeitet wurden.

00:03:35: Bitte hören Sie nur dann weiter oder vielleicht überspringen Sie gewisse Abschnitte, wenn Sie sich mit den Teilweise doch, denke mal, recht intensiven Themen auch richtig wohlfühlen.

00:03:44: Wir können ja auch einen Warnhinweis geben, wenn es so richtig eklig wird und brutal.

00:03:47: Aber ich glaub, so viel, wir haben ja, glaub ich, die Fälle rausgesucht, die nicht wirklich ganz schlimm sind.

00:03:51: Aber wir gucken mal, wir lassen uns mal drauf ein.

00:03:54: Okay, das wär also jetzt gesagt, bevor wir jetzt gleich zu Ihrer wirklich spannenden Person und zu Ihrer Karriere kommen, Geben wir erst mal im Medias Rees.

00:04:01: Okay.

00:04:01: So, warum sind die meisten Menschen eigentlich so verrückt nach Crime, nach Kriminalgeschichten über Mord und Totschlag?

00:04:08: Also, ich hab da eine ganz einfache Antwort drauf, die allerdings auch von der Statistik und auch von Psychologen und von den wirklichen Fachleuten bestätigt wird.

00:04:17: Also, für viele ist ja der Alltag manchmal oder hin und wieder oder auch sehr langweilig.

00:04:23: Also, ich erinnere nur mal an die arme Frau an der Kasse, die von morgens bis abends nur ... Und das ist ja nichts.

00:04:29: Und wenn man aber so ein Krimi sich reinzieht, also im Fernsehen, nicht umsonst, sind ja die öffentlich-rechtlichen und die privaten Fernseher voll inzwischen.

00:04:38: Es nimmt ja überhand und es sind langweilige Dinger.

00:04:41: Und True Crime ist ja was echtes, was reales.

00:04:44: Und ich glaube, dass die Menschen dann stückweit ein Kribbeln verspüren, eine Spannung.

00:04:49: Andererseits sind sie sicher, sie können sich das auf dem Sofa anhören mit einem Tüte Chips.

00:04:54: und wissen, ich bin in Sicherheit, aber ich bin in der Spannung drin.

00:04:58: Im Grunde genommen, um die Langeweile oder den Alltag ein bisschen spannungsreicher zu machen.

00:05:03: Ich hab überlegt, Sie werden so mit, aber nicht reingezogen, Sie bleiben auf der sicheren Seite.

00:05:08: Ja, so kann man's auch formulieren.

00:05:10: Sie haben mir gestern im Vorgespräch gesagt, sehr energisch, Sie mögen gar keine Pauschalisierung, kann ich verstehen.

00:05:15: Ich mach jetzt aber mal ganz provokant die nächste Frage.

00:05:18: Wie sieht denn eigentlich ein typischer Mörder aus?

00:05:20: Also vergessen Sie es, der hat weder einen verschlagenen Blick, noch ist er besonders grimmig.

00:05:25: Wir alle sitzen mit einem Bein auf der Anklagebank, aber wir haben, das hatte ich schon öfters erwähnt, wir haben einen moralischen Kompass in uns, der uns sagt, was böse und gut ist und wo wir uns dran halten.

00:05:35: Aber wie oft haben wir schon mal überlegt?

00:05:37: Oder wer überlegt ist, die falsche Formulierung, wenn wir richtig gereizt sind und seit einer was Böses getan oder war wirklich ganz schrecklich zu uns, dann denkt man sich schon mal am liebsten bisschen umbringen.

00:05:48: Und die, die es machen, die sind in der so extrem emotional ausweglosen Situation.

00:05:54: Die machen es dann auch.

00:05:55: Also, Mörder sind normale Menschen wie du und ich.

00:05:58: Sie

00:05:58: haben jetzt über vierzig Jahre in Gerichtssälen gesessen.

00:06:02: Welcher Tatort war der außergewöhnlichste?

00:06:03: Dazu haben Sie auch was in Ihrem aktuellen Buch geschrieben.

00:06:06: Ach,

00:06:06: es gab mehrere.

00:06:07: Aber es gab zum Beispiel eine junge Frau, die hatte zwei Kinder, Kinderpflegerin von Hause aus, eine nette, wirklich sympathische Frau.

00:06:16: Allerdings immer alleine ziehen gewesen, war zum dritten Mal schwanger.

00:06:20: Die hat übrigens die ersten beiden Schwangerschaften, die Kinder, die geboren wurden, auch verheimlicht.

00:06:25: Aber sie war wirklich eine gute Mutter, das wurde auch bestätigt.

00:06:28: Und das dritte Kind, Hochschwanger.

00:06:31: Sie ist mit ihren Freundinnen Weihnachten auf den Weihnachtsmarkt gegangen.

00:06:34: Anschließend in einem ziemlich bekannten Kölner Café haben sie sich dann getroffen zum Frühstück.

00:06:39: Und sie ist auf die Toilette gegangen, kam nicht wieder.

00:06:42: Nach einer Stunde kam sie wieder hoch, leichen Blass.

00:06:46: Dann ließ ich nach Hause fahren mit dem Taxi.

00:06:48: Und Fakt ist, die hatte auf der Toilette ein Kind geboren, in die Toilette gestopft.

00:06:54: Alles war blutverschmiert, keinem was gesagt.

00:06:56: Das war mit einer der ungewöhnlichsten Tatorte, kann man sagen.

00:07:00: Die Toilette eines renommierten Körnercafés, wo ein toter Säugling im Toilette-Eimer gefunden wurde.

00:07:08: Ich vermute, dass wird im Laufe des Gesprächs noch öfter passieren, dass man im ersten Moment gar keine Worte findet.

00:07:13: Ja.

00:07:13: Wenn man das zum ersten Mal hört.

00:07:15: Welcher Fall hat sie persönlich auch in den privaten Gedanken?

00:07:20: so am längsten beschäftigt und verfolgt.

00:07:21: Und ich meine jetzt damit nicht nur die Verhandlungszeiten, sondern auch darüber hinaus.

00:07:26: Ja, ganz klar kann ich da aus dem Hut ziehen, den faulen Hund.

00:07:30: Der faule Hund, das war ein junger Mann, einundzwanzig damals, der seine Oma getötet hatte.

00:07:35: Und da im Vorfeld stand in der Zeitung, eiskalter Engel, brutaler Enkel mocht und ich dachte, na ja gut.

00:07:43: wieder wie öblich so ein junger Rotsbängel.

00:07:45: Und dann geht die Tür auf im Prozess.

00:07:47: Die Wachtmeister führen den Jungen vor.

00:07:49: Ein ganz... Ganz zarter junger Mann, eher noch ein Kindergesicht mit ganz feinen, zarten Gesichtszügen.

00:07:57: Und der hat mir so Leid getan, weil er tatsächlich eine furchtbare Kindheit erlitten hat.

00:08:03: Und der hat nicht nur mir Leid getan, denn das wäre ja dann sehr unprofessionell hier mit Mitleid zu argumentieren.

00:08:10: Auch das Gericht, die Staatsanwaltschaft, die waren alle über der Überzeugung dieser Junge, der hätte das nicht getan.

00:08:18: wenn alle vernünftig mitgearbeitet hätten, sprich die Familie, die Gutachter, die Behörden, die Ärzte.

00:08:24: Hier hat alles versagt.

00:08:26: Der war ja vorher und nachher nie kriminell.

00:08:28: Der ist in dem einen Moment total ausgeflippt.

00:08:31: Mehr will ich dazu nicht sagen.

00:08:33: Aber ich war insofern auch deshalb besonders involviert, weil mein Sohn zu dem Zeitpunkt auch gerade einundzwanzig war.

00:08:40: Und da hab ich auch nur gedacht, mein Gott, der ist genauso alt wie mein Sohn.

00:08:42: Und dann sowas.

00:08:43: Ich hab den auch mal den Jungen in der Forense, dann ... Weil er mir so leidt hat.

00:08:49: Welcher Mensch als Täter war für Sie der Unmenschliste?

00:08:53: Das war der Fall, die Ratte.

00:08:54: Das ist ein mittelalter Mann gewesen.

00:08:57: Der hatte eine Freundin, die er geheiratet hat.

00:09:01: Und alle waren der Überzeugung, dass er ein ganz liebevoller ... Der war wirklich ... Der hat Mitteressen, also die bekocht.

00:09:08: Er war von Hause aus Krankenpfleger, Hygieniker.

00:09:12: Und er war rührend, um sie besorgt, als sie plötzlich ... merkwürdig krank wurde, also fühlte sich nicht gut, wurde immer schlimmer, kam ins Krankenhaus, die Symptome seltsam, sie starb.

00:09:23: Wochen später hat er sich wieder auf eine Dating-Plattform begeben, wieder eine Frau kennengelernt, beides mal übrigens Lehrerin.

00:09:30: Und auch diese Frau wurde auf einmal krank.

00:09:33: Und Corona sei Dank, ist diese damals dann auch schwangere zweite Frau.

00:09:38: nicht in ihr Heimatkrankenhaus gekommen, weil das war zu, sondern in das Krankenhaus, wo die erste Frau verstorben war.

00:09:45: Und dann haben die Ärzte gedacht, sehr seltsam.

00:09:48: Der selbe Mann, dieselbe Erkrankung und haben sofort gehandelt.

00:09:51: Der hatte die mit Rattengift umgebracht, die erste wie die zweite.

00:09:55: Und der war so unsympathisch im Gerichtssaal und hat alles abgestritten.

00:09:59: Eine Tirade von Fantasien da erzählt.

00:10:02: Es war unfassbar und der Prozess ging auch Monate.

00:10:05: Und zum Schluss, als er merkte, das kippt mir, glaubt hier keiner, hat er eine unwahrscheinliche Lügengeschichte erzählt.

00:10:12: Also Fakt ist, er ist verurteilt worden.

00:10:14: Auch zu Sicherungsverwahrung, weil es gibt ja selten Fälle, wo die Gutachter sagen, Das ist ein böser Mensch, der ist makiavalistisch.

00:10:23: Das habe ich so gut wie noch nie gehört.

00:10:25: Also, der war wirklich schlimm.

00:10:27: Fakt ist, dass er aus der Forensik herausjetzt, weil er anfangs merkt, so komme ich nie raus, wenn ich nicht gestehe, hat der einer Familie schriftlichen Geständen es abgegeben.

00:10:38: Ob ihnen was hilft, weiß man nicht.

00:10:39: Gab es denn eigentlich oft Momente für Sie im Gericht, wo Ihnen als Mensch ... So schlagartig der Atemstockte und sie Gänseauto vielleicht sogar Angst bekommen haben?

00:10:49: Nein, nie.

00:10:50: Auch am Anfang nicht?

00:10:51: Nein.

00:10:52: Also ich muss ganz ehrlich sagen, mich haben viele Leute auch jetzt noch gefragt, jetzt bist du endlich fertig mit dem Job und hast du denn, wie gehst du denn damit um?

00:11:00: Wie kannst du diese Sachen verarbeiten?

00:11:01: Fakt ist, ich hab so eine Glaswand um mich rum.

00:11:04: Ich lass das nicht an mich ran.

00:11:05: Ich nehm das auch nicht mit nach Hause.

00:11:07: Ich hab keinen Mitleid, sondern ich bin wütend eher.

00:11:10: Oder fassungslos, aber ... So, was Sie jetzt gerade angesprochen haben, an Emotionen nö.

00:11:16: Es gibt einen Fall, den möchte ich erzählen, der war wirklich schlimm.

00:11:19: Es gibt ja die sogenannte Gerichtsrolle.

00:11:22: Und da kann man ja lesen, Betrug, Betrug, Diebstahl.

00:11:25: Die ganzen Delikte sind wöchentlich aufgelistet.

00:11:28: Hier stand fallesige Tötung.

00:11:30: Das ist in der Regel ein Arbeitsunfall oder ein Verkehrsunfall.

00:11:34: Ich bin also reingegangen und da sitzen Ehepaar auf der Bank.

00:11:37: Und die hatten drei Kinder.

00:11:39: Ein Jahr, zwei Jahr, drei Jahre alt.

00:11:41: Und alle drei, war dem Auto angeschnallt, weil das Ehepaar musste eine Postzustellungsurkunde abholen und die mussten beide unterschreiben und haben sich überlegt, wir springen schnell rein, unterschreiben und kommen wieder raus.

00:11:54: Ja, gesagt, getan, das waren ein paar Minuten und die kommen raus und das Auto steht lichterlohn in Flammen.

00:12:01: Da hatte der älteste, der Dreijährige, wach geworden, hatte Feuerzeug aus der Seite genommen und damit gespielt und das Auto im Rand gesetzt.

00:12:10: Das jüngste Kind ist gestorben.

00:12:12: Die beiden anderen sind zigfach operiert worden.

00:12:15: Also das Ehepaar war so gestraft genug, dass das Gericht, das gibt es in Ausnahmefällen gesagt hat, im Gesetz steht, wer durch die Tat ausreichend genug gestraft ist, kann man von einer Verhängung einer Strafe absehen.

00:12:34: lediglich der Urteilsspruch kommt.

00:12:36: Also der Fall, unvorstellbar, wie schnell das Schicksal von einem Moment auf den anderen zuschlägt und man nichts dagegen machen

00:12:43: kann.

00:12:44: Wie hat sich die Justiz in den letzten vierzig Jahren verändert aus ihrer Sicht, die ja ganz nah dran ist?

00:12:52: Als ich anfing, waren ja noch ziemlich viele ältere, ich sag mal, in Anführungsstrichen ältere Herren, Vorsitzende Richter.

00:12:59: Ich weiß nicht, wieso, da war noch, vielleicht war das genau der Moment, wo noch kein Wechselstand fand.

00:13:03: Und wir haben ja sowieso in Köln ... Die sogenannte kölschische Strafprozessordnung.

00:13:08: Also wenn man in Köln fünf Jahre kriegt wird, weil das in Bayern sieben oder acht Jahre dafür bekommen, das ist ja bekannt.

00:13:15: Und diese älteren Herren haben auch schon mal ein Auge zugedrückt.

00:13:18: Und da war es auch gemütlich, so wie es in Köln schon mal gerne ist.

00:13:22: Und jetzt, vierzig Jahre später, die sind wahrscheinlich alle inzwischen auch schon tot, ist ja die ganze junge Generation an Juristen und vor allen Dingen Juristinnen.

00:13:29: dran, die sind alle, das ist schon, ich hab fast das Gefühl, sind mehr Frauen als Männer.

00:13:34: Ich hab das jetzt statistisch nicht im Kopf, aber glaub schon.

00:13:37: Und da wird schon, ich will jetzt mal nicht sagen, härter geuchtet, aber deutlicher.

00:13:42: Ich weiß nicht, wie ich die Vokabel dafür finde.

00:13:45: Intensiver, zumindest im Sprachgebrauch auch.

00:13:48: Es ist nicht mehr so gemütlich oder so ein bisschen kölsch, sondern klare Kante.

00:13:52: Kann man davon vielleicht sogar ableiten, sozusagen mal statistisch, sind die Richter Herren.

00:13:59: Ja?

00:14:01: Hertha weniger hart als die Richter Damen?

00:14:04: Nee, das nicht.

00:14:04: Das auf keinen Fall.

00:14:05: Ich sag jetzt nur, das war vor vierzig Jahren, das war eine andere Zeit.

00:14:09: Es war eine gemütlichere Zeit.

00:14:10: Jetzt denken Sie mal heute, Social Media, alles muss schneller gehen.

00:14:12: Die kriegen noch mehr Akten auf den Tisch.

00:14:14: Nee, das ist einfach eine Zeitfrage.

00:14:16: Wir haben jetzt eine andere Situation.

00:14:19: Ja.

00:14:19: Boah, ist das schön hier.

00:14:20: Ja, wir können mal ganz kurz stehen bleiben.

00:14:22: Wir stehen jetzt hinten in den Dünen.

00:14:24: Das ist ja ein Traum.

00:14:25: Haben echt auch richtig Glück mit dem Wind.

00:14:27: Das

00:14:27: ist ja super schön.

00:14:28: Ja, echt.

00:14:28: Also angeblich

00:14:29: sollen es heute dreizehn Grad sein.

00:14:30: Es fühlt sich aber wärmer an.

00:14:31: Ja,

00:14:31: es fühlt sich wärmer an.

00:14:32: Selbst der Wind ist wärmer.

00:14:34: Und ich finde, das ist traumhaft schön.

00:14:36: Jetzt gucken wir auf die Windräder, die ganz, ganz, ganz weit hinten im Meer stehen.

00:14:39: Aber ansonsten haben wir hier einen nur schönen, pittoresken Anblick, oder?

00:14:45: Ein Traum.

00:14:45: So, jetzt haben wir uns ein bisschen aufgewärmt in Anführungszeichen.

00:14:48: In ihrem neuen Buch, wie im zweiten Buch, haben sie ja insgesamt fast dreißig ausgesuchte Fälle.

00:14:54: Übrigens richtig fesselt und klasse formuliert.

00:14:57: Danke.

00:14:57: Kann ich Ihnen sagen, kein Höflichkeitskompliment.

00:14:59: Ich hatte ja zuletzt, muss mir überlegen, ein Strunk mit dem Sommer in Niendorf gelesen.

00:15:04: Das hat mich auch ziemlich gefesselt durch die Sprache vor allem, aber Mörder unter uns, so heißt Ihr Buch.

00:15:09: hat noch mal eins draufgesetzt.

00:15:10: So, jetzt müssten wir eigentlich später noch ein bisschen passende Crime Musik unterlegen.

00:15:15: Vielleicht machen wir das auch, damit das noch ein bisschen Atmosphäre kriegt.

00:15:19: Wir kommen gleich zum Inhalt des Buches.

00:15:21: Aber eins kurz vorab.

00:15:22: Kann man mit den Bücher schreiben, richtig reich werden?

00:15:26: Nee.

00:15:27: Also sagen wir mal so, das liegt ja jetzt auch daran, dass ich das ... nebenberuflich mache.

00:15:31: Ich behaupte, wenn ich das richtig professionell machen würde, dann würde ich sagen, wenn ich dann jede Woche drei Veranstaltungen hätte, dann ja.

00:15:39: Und das würde man ja auch hinkriegen, wenn man das wirklich professionell aufzieht.

00:15:43: Aber mir fällt immer nachts ein, jetzt könntest du dich da mal bewerben.

00:15:46: Also ich mache das ja sehr gemütlich.

00:15:48: Jetzt kannst du da mal machen.

00:15:49: Aber zum Beispiel nächstes Jahr will ich auf sieben Inseln.

00:15:51: Das ist ja auch schon mal was.

00:15:52: Also wenn man von leben will, muss man es intensiver betreiben.

00:15:56: Und ich mache das so nach Lust und Laune.

00:15:58: Darf

00:15:58: ich das mal ja vielleicht ein bisschen indiskret fragen?

00:16:00: Wie viele Bücher haben Sie von Ihrem ersten Buch verkauft?

00:16:03: Ich meine mich zu erinnern, dass es so um die neuntausend war.

00:16:06: Das ist schon nicht schlecht.

00:16:07: Das ist das Buch Saalz.

00:16:09: Wenn Menschen morden.

00:16:10: Das ist der gleiche Stil.

00:16:12: Das ist eine Fallesammlung wie jetzt auch Buch Nummer zwei.

00:16:15: Man tut sich da nicht weh.

00:16:16: Das sind beides Fälle, die alle, das ist mir auch ganz wichtig zu sagen, passungslos machen und irre sind.

00:16:23: Nicht im Sinne von blutig und schrecklich, sondern ... aus dem Rahmen fallen.

00:16:27: Ich hab immer gesagt, wenn ein Mann seine Frau umbringt, weil sie ihm fremdgegangen ist, das war mir zu langweilig.

00:16:38: Noch mal kurz in neuntausend verkauften Büchern.

00:16:41: Ich weiß das aus Verlagen, dass es unglaublich viele Bücher gibt, die weitaus weniger als zweitausend verkaufen.

00:16:47: Das ist sogar die große Menge.

00:16:48: Also es sind eher Ausnahmen, dass man mit dem ... Bücher schreiben richtig Geld verdienen kann.

00:16:54: So verdiene ich natürlich auch nicht so viel dran.

00:16:56: Sie bekommen ja eine Summe X als Vorschuss und das wird verrechnet.

00:17:00: Und an den Büchern, ich kann jetzt will jetzt keine Zahlen nennen, aber das ist nicht so viel.

00:17:04: Woran ich jetzt verdiene, sind diese Auftritte.

00:17:06: Ja, und Sie sind ja auch, das ist kein richtig schönes Wort, mir fällt im Moment kein besseres ein.

00:17:11: Sie sind so eine richtige... Rüstige Rentnerinnen.

00:17:13: Ich würde sagen, Rappels ist auch rüstiger.

00:17:16: Das haben Sie jetzt gesagt.

00:17:16: Aber Sie könnten sich auch in Sonnenstuhl oder Strandkorps setzen und nix machen.

00:17:21: Das wäre viel zu langweilig.

00:17:22: Bei den zehn Schwerfallbrechen in Ihrem neuen Buch gibt es auch noch ein paar kleinere Fälle.

00:17:28: Beginnen Sie bei Fall eins.

00:17:29: Ich habe das Buch natürlich gelesen.

00:17:31: Gleich mit einem Hammer.

00:17:32: Eine verhängnisvolle Diagnose ist die Überschrift.

00:17:35: Auf zwölf Seiten bekommen die Leserinnen und Leser fast ... Wie soll ich sagen, das Drehbuch?

00:17:40: vom Horrorfilm geliefert.

00:17:42: Leider ist das alles wahr, was da passiert.

00:17:44: Ganz kurz, eine zierliche Psychologin wird lebend.

00:17:48: Jetzt kommt so eine Stelle, das müssen wir eigentlich blieb machen.

00:17:50: Eine Psychologin wird lebend in einen Kindersag gepackt und entführt.

00:17:55: Man

00:17:55: kann sagen, gepackt.

00:17:55: Es passieren unglaubliche Sachen.

00:17:58: Mögen Sie ein paar Worte dazu erzählen?

00:18:00: Ja, der Punkt ist der, dass sich ein Mann, ich sag erst mal Mann und nichts mehr dazu.

00:18:05: Der geht in Therapie und fühlt sich schmählich falsch verstanden.

00:18:09: Er lebt dann im privaten, permanent Niederlagen und ist so sauer auf diese Frau.

00:18:15: Er schiebt das alles auf diese Frau und entwickelt einen tödlichen Racheplan.

00:18:20: Er will sich an die Rechen.

00:18:20: der Witz an der Sache ist.

00:18:22: Das ist ein Vollakademiker, ein Jurist.

00:18:25: Und der ist grössend wahnsinnig.

00:18:27: Der ist absolut grössend wahnsinnig.

00:18:29: Und man kriegt im Laufe des Lesens auch mit, warum der so lebt, grössend wahnsinnig ist.

00:18:34: Er ist ein klassischer Nazist.

00:18:36: Wobei ich sage, es gibt natürlich auch tolle Nazisten.

00:18:39: Coco Chanel, Karl Lagerfeld, Thomas Mann, Bodenbrocks, die Moderne und die Tradition auf großartige Weise verbunden.

00:18:46: Das sind... Auch Narzisten, die aber Großartiges geleistet haben.

00:18:51: Gute Narzisten.

00:18:52: Ich möchte nicht wissen, wie die im Privaten waren.

00:18:54: Aber dieser Typ hier, das ist so ein Widerling, weil der auch vor allen Dingen so ... unsympathisch rüber kommt, also wie er die Leute manipuliert hat und was er alles erklärt hat und was ihm angeblich alles widerfahren ist, was alles gelogen war.

00:19:07: Also ich will da nicht weiter vorgreifen, aber der Fall ist so irre und diese Arme, diese Psychologin, die hat ja Todesängste ausgestanden, was sie mit der gemacht haben, erkläre ich jetzt nicht.

00:19:17: Wie gesagt, Buch lesen, dann weiß man mehr.

00:19:20: Aber der Fall war schon absolut... Also,

00:19:24: da passieren Sachen.

00:19:25: Ich hab das gestern Abend gelesen und musste mich erst mal hinsetzen in Anführungszeichen.

00:19:29: Sie haben

00:19:30: es gerade schon gesagt, einer der Täter ist ein Nazist.

00:19:33: Ich weiß noch genau, der wird als Jurist aus der Türkei quasi hier nach Deutschland in Anführungszeichen geschifft und kriegt dann bei, ja, wie soll man sagen, bei verschiedenen Institutionen und Arbeitgebern schnell eine Kündigung, weil er als Faul und nicht geeignet gilt, zählt aber allen vollmundig.

00:19:51: Er wolle und werde Ministerpräsidentin Luxemburg werden, oder?

00:19:53: Nein,

00:19:54: das ist sein Lover, der sagt, der hätte mit seinen Kenntnissen und mit diesem Lover macht er ja auch diesen Überfall.

00:20:01: Er sagt, der Lover sagt ... Der ist so fantastisch, der hätte Ministerpräsident von Luxemburg werden können, weil dieser Typ, dieser Jurist in Luxemburg ja auch ein Stipendium für seine, er wollte ja seine Doktorarbeit schreiben.

00:20:16: Aber da ist er natürlich genadenlos gescheitert.

00:20:18: Der hat ja beide Staatsexamen in Istanbul abgelegt.

00:20:22: Also dofer der nicht.

00:20:24: Eine Frage mal, wenn man das Buch gelesen hat, hat man noch einen stärkeren Bezug dazu.

00:20:29: Wie haben Sie diesen Narzisten live erlebt?

00:20:31: Beschreiben Sie das mal bitte.

00:20:32: Wie war der da auf der Anklagerbank?

00:20:34: Das ist ja grad das Phänomen.

00:20:35: Man stellt sich unter den Narzisten in gewisser Weise auch jemanden vor, der diesen Größen war nach Außenträg.

00:20:42: Aber so was harmloses, langweiliges, nullachtfünfzehnmäßiges.

00:20:47: Ein kleiner, unattraktiver, um nicht zu sagen, unscheinbarer Mann, halb glatze, ständig hämisch lachend.

00:20:53: Man sah ihm allerdings vom Gesichtsausdruck her an.

00:20:56: Ihr könnt mir allerdings, ich bin sowieso der Größte.

00:20:59: Und sein Lover hat ihm immer völlig demütig in die Augen geguckt.

00:21:03: Er saß ja mit auf der Anklagebank.

00:21:05: Also man merkte ihm an.

00:21:07: Ihr könnt reden, was ihr wollt.

00:21:08: Ich weiß sowieso, das stimmt alles gar nicht.

00:21:10: Der hat ja auch geleugnet und das wär alles halb so wild gewesen.

00:21:13: Und er war der absolute Antisympathieträger.

00:21:17: Und am Ende des Verfahrens kurz danach haben die beiden Lover geheiratet, ne?

00:21:21: Weiß

00:21:21: ich nicht.

00:21:21: Sie haben zumindest nach dem Urteil erstens Revision eingelegt, was ihr gutes Recht ist.

00:21:26: Und zweitens natürlich, was heißt natürlich?

00:21:28: Sie haben gesagt, wir planen jetzt als erstes unsere Hochzeit hinter Gittern.

00:21:37: Beim weiteren ... Ich sag mal, kleineren Fall ist die Überschrift mehr als Programm, heißt nämlich nichts dazugelernt.

00:21:44: Im Angehender Krankenpfleger wird mit einer jungen Exfreundin Vater, einer kleinen Tochter, leutnet aber alles, fördönisiert sich, zahlt kein Unterhalt und wird dann noch gewalttätig.

00:21:54: Vor Gericht wird er dann zu einer guten Geldstrafe verurteilt und auf die mahnden Worte des Richters sich zu bessern.

00:22:02: und doch mal wirklich sein Leben in den Griff zu kriegen.

00:22:05: Dauert zwei Minuten und dann kriegt der Wachmann dann auf die Mütze.

00:22:07: Genau,

00:22:08: ja.

00:22:10: Kann man an der Stelle vielleicht wenig das Tichwort Verrohung der Gesellschaft auch mal mit einbringen?

00:22:15: Also ich bleibe dabei.

00:22:16: Ich hasse diese Verallgemeinerungen.

00:22:17: Natürlich gibt es eine Verrohung der Gesellschaft.

00:22:19: Das sehen Sie, wenn Sie jeden Tag die Zeitung aufschlagen.

00:22:22: Es gibt ja kaum einen Menschen, der keinen Messer in der Tasche hat.

00:22:24: Also ich hab keinen Sie.

00:22:26: Ich hab auch keinen Sie.

00:22:26: Ja,

00:22:26: eben.

00:22:27: Aber ... Wenn Sie diese Gerichtsfälle ansprechen, da bleibe ich dabei.

00:22:31: Da sage ich immer, das ist individuell.

00:22:33: Das ist immer der Einzelfall, den wir betrachten müssen.

00:22:35: Da müssen Sie auch immer den Hintergrund sehen.

00:22:37: Deshalb, was die Gerichtsfälle anbetrifft, beige ich mich.

00:22:41: Aber grundsätzlich in unserer Zeit, in unsere Gegenwart, wie gesagt, es gibt keinen Tag, an dem Sie die Zeitung nicht aufschlagen, wo es keinen Messerangriff gab.

00:22:51: Ob in der Schule, auf dem Bahnhof, das ist schon richtig so, aber das möchte ich nicht als Gerichtsreporterin so wahrgenommen haben, sondern als normaler Mensch der Zeitung liest.

00:23:03: Jetzt sind wir ein paar Metern schon am Kaffee-Sturm-Eck.

00:23:06: Aber das kann man doch sofort in die Seele aufnehmen.

00:23:08: Wir haben nur noch ein paar Menschen, die hier rumlaufen.

00:23:10: Wir haben also quasi jetzt die Dünen fast für uns.

00:23:12: Wir haben Windstille, ja.

00:23:14: Also es ist der Hammer.

00:23:15: Also heute ist ja fast ein Frühlingstag.

00:23:16: Für

00:23:16: ein Anfang November, ne?

00:23:17: Es ist

00:23:18: ein Frühlingstag.

00:23:19: Es ist großartig.

00:23:19: Toll, haben Sie mitgebracht.

00:23:20: Ja klar, mit engen Reisen sage ich da nur.

00:23:22: Gab es denn eigentlich auch Kinder beziehungsweise bezüglich der Strafmündigkeit Jugendliche?

00:23:27: Ab vierzehn Jahren in ihrer Laufbahn, die tatsächlich auch wegen Mordes oder Totschlagsfolgericht stellen?

00:23:32: Ja,

00:23:32: das war Rebekah, das war der Fall Rebekah.

00:23:35: Wobei man muss dazusagen, diese Fälle sind in der Regel ja auch nicht, die dürfen gar nicht öffentlich sein.

00:23:40: Und wir hatten da einen siebzehnjährigen Jugendschutz.

00:23:44: Das ist unheimlich lange her schon her.

00:23:45: Also, das ist eine Realschülerin, war galt als vermisst.

00:23:49: Auf jeden Fall, die war mehrere Monate vermisst.

00:23:51: Das war eigentlich klar, die ist tot.

00:23:53: Und irgendwann ist sie dann in Köln entdeckt worden, in einem Waldstück.

00:23:56: Sehr schnell ist man auf einen jungen Mann gekommen.

00:23:59: Ich weiß nicht, ob das ein Klassenkamerad war oder auf jeden Fall in derselben Schule.

00:24:03: Aber man konnte ihm nichts nachweisen.

00:24:05: Und da ist dann auch ein verdeckter Ermittler ins Spiel gekommen, der sich mit ihm angefreundet hat.

00:24:11: Und dem Gegenüber hat er den Tat gestanden.

00:24:13: Okay.

00:24:14: Und so kam es dann auch zum Prozess.

00:24:16: Die Höchststrafe bei Jugendlichen ist zehn Jahre, also auch beim Moch, der ist wegen Mordes verurteilt worden, der hat dann neun Jahre bekommen.

00:24:23: Man ist ja, wenn ich mich richtig erinnere, unter vierzehn schuldunfähig in Deutschland und erst ab einundzwanzig gilt das Erwachsenenstrafrecht.

00:24:30: Nein,

00:24:30: das gilt ab achtzehn in der Regel, wenn ein neunzehnjähriger Reife verzögert ist.

00:24:34: Wenn ein Sachverständiger sagt, der ist ... Er ist ja volljährig, aber dann kann das Jugendrecht.

00:24:44: Bis einundzwanzig kann das Jugendstrafrecht angewandt werden.

00:24:47: Das passiert auch manchmal.

00:24:48: Wenn einer so richtig voll, wenn der Sachverständige sagt, der ist voll erwachsen, da gibt es keine Strafminderungsgründe, dann kann auch bei einem einundzwanzigjährigen, sowohl Jugendstrafrecht als auch ... Erwachsene strafrecht in der Regel angewendet werden.

00:25:03: Ja.

00:25:04: Achtzehn bis zwanzig in Deutschland Heranwachsene in der juristischen

00:25:07: Definition.

00:25:08: Einundzwanzig.

00:25:09: Achtzehn bis einundzwanzig.

00:25:11: Eigentlich ist ab einundzwanzig Erwachsene strafrecht.

00:25:13: Ja, ab einundzwanzig oder Erwachsene.

00:25:13: Genau.

00:25:14: Also, es ist ab achtzehn bis zwanzig, ne?

00:25:16: Weil ab einundzwanzig ist es dann quasi Erwachsene.

00:25:18: Okay, okay, ja.

00:25:19: Welcher der erlebten Kriminalfälle war denn über alles Erlebte von ihnen, der, sagen wir mal, der die meiste Mediale Aufmerksamkeit mit sich gebracht hat?

00:25:28: Kann man eigentlich so nicht sagen, weil ... Ohne das jetzt als Größenbahn zu bezeichnen, sind die zehn Fälle, die ich habe, alle medial von größerem Interesse.

00:25:37: Das können Sie daran sehen, weil die auch in Zeitverbrechen erschienen sind.

00:25:40: Weil Zeitverbrechen ja nur Fälle nimmt, die überregional spannend sind.

00:25:43: Aber einer der Spannenden ist wohl die Ratte.

00:25:46: Der ist im ersten Buch, den ich eben so kurz erwähnte, mit dem Rattengefühl.

00:25:50: Sind Sie als Gerichtsreporterin auch immer wieder damit konfrontiert worden, dass die Strafverteidiger ... Natürlich in den Zeitungen am liebsten Ihre, teilweise auch ganz eigene Wahrheit lesen wollen.

00:26:00: Gibt es da versuchte Einflussnahme bei Ihnen?

00:26:02: Ja, versuchte

00:26:03: Einflussnahme würde ich jetzt, das ist jetzt zu, also es geht in die Richtung, sagen wir mal so.

00:26:08: Aber ich habe es eigentlich immer so gehalten, dass ich mit den Verteidigern am wenigsten Kontakt hatte.

00:26:13: Ich habe lieber mit der Staatsanwaltschaft kontaktiert, sich nennt sich auch immer objektivste Behörde der Welt.

00:26:18: Und die hatten es ja ja nicht nötig, dass jemand ihre Version sozusagen Kunden tut.

00:26:24: Die haben auch manchmal, ich will jetzt nicht sagen, Mist gebaut, aber die waren in ihrer Anklage manchmal so, dass ich sagte, das stimmt nicht.

00:26:29: Aber sie haben mir trotzdem vertraut, weil im Verlauf des Strafverfahrens kommt möglicherweise auch eine andere Version zur Sprache.

00:26:37: Aber mit der Staatsanwaltschaft konnte ich immer besser arbeiten als mit der Verteidigung.

00:26:42: Dürfen denn übrigens alle?

00:26:43: Dann müssen Sie mal aufklären, dürfen alle?

00:26:45: Bei Gericht, wenn es dann ein laufendes Verfahren gibt, Interviews geben?

00:26:48: Also auch der angeklagte Richter und Staatsanwälte?

00:26:52: Nein, das ist ja verboten.

00:26:55: Das macht man auch nicht.

00:26:56: Man interviewt die auch nicht im klassischen Sinne.

00:26:58: Was ich getan habe, ich habe dann eben im Backstage versucht, was heißt Interview?

00:27:04: Ich habe versucht, Informationen abzufischen.

00:27:07: Zusatzinformationen, die manchmal im Prozess nicht zwingend erörtert werden, weil alle Akteneinsicht haben und das wissen.

00:27:14: Und im Gerichtssaal wird nicht zwingend alles auf den Tisch gelegt.

00:27:17: Also nicht jetzt, weil da verheimlicht wird, sondern weil das einfach ein Übermaß ist.

00:27:21: Das heißt ja auch oft, das machen wir jetzt im Leseverfahren, aber die Akten kriegt die Vortrag natürlich nicht und die Presse auch nicht, aber alle anderen.

00:27:28: Und dann ist es gut, wenn man diese Sachen schon mal irgendwo abgefischt hat oder erfahren hat.

00:27:33: Wie oft lagen Sie mit Ihrer eigenen Einschätzung?

00:27:35: Das macht man ja wahrscheinlich schon, so für sich, schuldig oder nicht schuldig.

00:27:40: richtig, bevor das offizielle Urteil angesprochen wurde.

00:27:43: In der Regel eigentlich immer.

00:27:44: Wohnen Sie da immer besser im Laufe der Zeit?

00:27:46: Oder ist das so eine Intuition?

00:27:47: Intuition.

00:27:49: Ich kenne aus dem Bekanntenkreis ein Gefängnispastor.

00:27:52: Der hat mir vertraulich ziemlich deutlich gesagt, dass wohl einige zu Unrechtverurteile für Jahrzehnte auch hinter Gitter sitzen.

00:27:59: Das möchte ich aber gerne wissen.

00:28:01: Das kann ich von mir nicht behaupten, das zu erfahren zu haben.

00:28:04: Zu Unrecht?

00:28:05: Nee, auf keinen Fall.

00:28:06: Es gibt ja den Ausspruch ... Vom Staatsanwalt der, Zitat, objektivsten Behörde der Welt.

00:28:12: Zitat Ende, stellen Sie dem zu.

00:28:15: Na ja, nicht immer.

00:28:16: Also, ich weiß, es sind ja Menschen und keine Roboter, die da ihre Anklage formulieren.

00:28:22: Die persönliche Einschätzung spielt damit eine Rolle.

00:28:26: Objektivität hin oder her, die Subjektivität spielt auch eine Rolle.

00:28:29: Es sind ja Menschen.

00:28:33: Aber der Versuch ist zumindest da.

00:28:34: Der Versuch ist schon da.

00:28:36: Als Prozessbegleiterin sind sie da wochen oder manchmal monatelang Teil des Geschehens.

00:28:41: Sie blicken den Tätern tief in die Augen und auch in die Seele.

00:28:44: Sie haben vorhin schon mal ganz kurz erwähnt, dass Sie einen Täter mal besucht haben, kam das öfter vor?

00:28:48: Nee, das war nur dieser eine Fall.

00:28:50: Einmal nur.

00:28:50: Weil der mir so nah ging, weil auch da das Gericht und auch die, ich sagte ja alle Beteiligten, da waren auch Leute aus dem Zuschauerraum, die mich gefragt haben, wie sie dem Geld zukommen lassen, wie sie ihm helfen können, da war also viel Hilfsbereitschaft da.

00:29:03: Weil der Junge war eine arme Sau, Entschuldigung, wirklich ein ganz armes Würstchen.

00:29:13: Also jetzt mal persönlich, wie muss man sich das vorstellen?

00:29:16: Sie wohnen in Köln mit Familie, Katz und Maus oder wie ist das bei

00:29:19: Ihnen?

00:29:19: Nein, ich wohn in Köln alleine.

00:29:21: Mein Sohn ist inzwischen erwachsen.

00:29:22: Ich hab den auch alleine großgezogen.

00:29:25: Und der ist siebenundzwanzig inzwischen und studiert Jura.

00:29:28: Das mag daran liegen, dass er sehr früh von mir auch nicht immer, aber manchmal schon, wenn es nicht anders ging, mit in den Gerichtssaal genommen wurde.

00:29:35: Ich weiß noch, dass er bei einem Mordurteil, da war der gerade anerthalb und hat mir ein Glas Wasser über das Laptop geschüttet.

00:29:40: Da war der mit im Mordprozess.

00:29:42: Aber ich hatte niemanden, der auf ihn aufpasste.

00:29:44: Also, der hat auch viel, auch später dann, als er älter war, der ist schon immer mal wieder mit ins Gericht gekommen und hat auch überhaupt keine Berührungsängste, wieder mit Verteidiger.

00:29:54: mit Staatsanwälten, der hat auch viel mitbekommen, der hat auch meine Sachen zum Teil gegen gelesen, weil es ihn interessiert hat, finde ich meine Geschichte, weil ich habe ja nicht für die Juristen geschrieben, sondern für Autonomalverbraucher.

00:30:04: Und da habe ich immer gesagt, liest mal durch, ob du das verstehst, weil das ist ja auch immer mein Bestreben gewesen, verständlich und nicht in juristischen Formulierungen sich zu vergreifen.

00:30:14: Und der Punkt ist ja auch, das macht ja eine Lokalzeitung auch aus, dass man eben nicht juristische Termini benutzt, sondern eben Klartext spricht.

00:30:23: Das ist auch der Grund, warum der Jura studiert.

00:30:25: Ich bin völlig baff und drücke ihm alle Daumen.

00:30:28: So bei all den ja doch schlimmen Verbrechen und menschlichen Abgründen, mit denen sie konfrontiert wurden.

00:30:34: Sie haben ja früher gesagt, Sie haben so einen gläsernen Kasten, glaube ich, um sich herum.

00:30:39: Aber wie haben Sie das geschafft, einen Ausgleich zu finden?

00:30:42: Ich brauchte ja keinen Ausgleich.

00:30:44: Wenn ich den Gerichtssaal verlassen habe und zu Hause die Geschichte abgeschlossen habe, dann war das ein wunderbares Gefühl und dann habe ich mir manchmal ein Stück Sahnetorte reingezogen.

00:30:53: Nein, Quatsch, Blödsinn.

00:30:54: Dann bin ich einfach zum Alltag übergegangen.

00:30:56: Das ist wie Sie, wenn Sie Ihren Job gemacht haben nach Hause kommen.

00:31:01: Ich musste da nicht

00:31:01: abschalten.

00:31:02: Sie sind aber schon eine richtige Kölschefro-Natur, kann man sagen.

00:31:07: Weiß ich nicht, nur finde ich eigentlich nicht.

00:31:09: Ist die erste Wahrnehmung.

00:31:11: Sie gehen ja so

00:31:12: locker

00:31:13: und schuldig mit den Sachen um.

00:31:14: Ja,

00:31:14: aber das hat, finde ich, nicht zwingend was mit Kölsch.

00:31:18: Ich glaube, das habe ich eher von meinem Vater.

00:31:19: Das war ein lustiger Düben, der kam nicht aus Köln.

00:31:22: Nee, ich mag auch keinen Kölner Karneval.

00:31:25: Das würde ja dann auch mit Kölnstum in Verbindung bringen.

00:31:28: Und ich trinke auch keinen Kölsch.

00:31:29: Zum Thema Köln und Ausgleich passt ja ganz gut.

00:31:32: Ich bin ganz gut bekannt mit dem WDR-Torker Jürgen Domian.

00:31:36: Die hat ja zwanzig Jahre Fernseharbeit gemacht und war so eine Art seelisches Auffangbecken der Nation.

00:31:41: Ich weiß,

00:31:41: ja, ja.

00:31:42: Der hat ja auch sehr teilweise ... Der hatte teilweise auch sehr heftige Geschichten gehabt.

00:31:47: Der hatte immer in jedem Abend eine eigene Psychologin, vor allem für die Anrufe, aber auch für sich und das Team dabei.

00:31:52: Also ich hab privat mein halbes Leben bei einer Therapeutin verbracht, bei mehreren.

00:31:57: Aber einfach weil ich der Meinung bin, wenn jeder das machen würde, hätten wir eine bessere Welt.

00:32:02: Also ich bin aus privaten Gründen, nicht aus jobtechnischen Gründen, sehr oft in Therapie gewesen.

00:32:09: Und ich bleibe dabei, das tut gut und es wird jedem gut tun.

00:32:12: Und ich hasse die Leute, die sagen, ich bin noch nicht bekloppt.

00:32:14: Das hat ja mit bekloppt sein, nichts zu tun.

00:32:16: Ich finde, wir haben alle einen psychischen Schaden in Anführungsstrichen von der Kindheit.

00:32:21: Und dem einen ist das mehr bewusst, dem anderen weniger.

00:32:26: Und ich glaube einfach, dass man das für sich sehr gut ... in Anspruch nehmen kann, das mal aufzuarbeiten mit professionellen Menschen.

00:32:35: Ja oder schon alleine sagen wir mal eine Art Supervision im Dorf zu machen.

00:32:39: Das ist auch eine Menge wert.

00:32:41: Sie arbeiten als Autorin ja auch für das Magazin Zeit Verbrechen.

00:32:45: Ich das Magazin in dem Bereich, neben Stern.

00:32:48: Wie unterscheidet sich die Arbeit an so einem großen True-Crime-Magazin von ihrer früheren Tätigkeit?

00:32:56: als Reporterin für eine Tageszeitung, Kölner Stadtanzeiger zum Beispiel?

00:32:59: Also grundsätzlich kann man sagen, dass sie für den Stadtanzeiger, also für eine Tageszeitung, egal ob das jetzt Stadtanzeiger oder eine andere ist, da sind sie ja jeden Tag im Gericht und ich musste ja jeden Tag was liefern.

00:33:10: Und das hat aber eine bestimmte Zeilengröße.

00:33:12: Und da können sie ja gar nicht so der Geschichte gerecht werden.

00:33:17: Da haben sie immer nur so, und vor allem, wenn sie, sie müssen ja immer Zeit, also so ein Prozess, je nachdem, wie groß er ist, wie umfangreich, Der ist ja über Tage, Monate, Wochen zieht er sich hin.

00:33:30: Und dann ist es ja so, sie haben immer ein Stück im Blatt.

00:33:34: Aber das sind immer nur einzelne Stücke.

00:33:37: Und bei der Zeit bei Zeit Verbrechen, das war ja auch mein Glück, dann habe ich ... Ich habe relativ spät bei Zeitverbrechen angeklingelt.

00:33:44: Dann habe ich alle Artikel zusammengenommen, habe das noch mal gelesen und habe dann eine richtige Reportage draus gemacht.

00:33:50: So richtig von Anfang bis Ende mit allem drum und dran.

00:33:53: Und das ist auch viel mehr meins gewesen.

00:33:55: Das ist beim Stadtanzeiger, wenn ich das versucht habe, immer gestrichen worden.

00:33:59: Die wollten immer nur kurz, klar, zack, aber nicht die wirkliche, das, was es ausmacht, so eine Geschichte.

00:34:04: Und somit allem auch emotionalen Hintergrund.

00:34:07: Und das ist schon ein Unterschied Tag und Nacht.

00:34:11: Zeitverbrechen hat auch einen eigenen Podcast alle zwei Wochen.

00:34:14: Ich war echt erstaunt, fast vier Millionen Downloads pro Monat, wenn man alles zusammenzählt.

00:34:19: Haben Sie da auch schon mitgemacht?

00:34:21: Leider noch nicht, aber das liegt natürlich daran, wenn Sie da mal genau hinhören.

00:34:24: Das sind ja zum Teil Geschichten, die sind zwanzig, dreißig Jahre alt.

00:34:27: Und ich glaube, ich bin dann noch viel zu jung in Anführungsstrichen.

00:34:29: Ich hab da angeklopft und hab auch bei Daniel Müller, das ist ja der Chefverdaktor von Zeit Verbrechen, durchaus Interesse bekundet.

00:34:36: Und er hat auch gesagt, ja.

00:34:38: Also, ich wachte halt da drauf.

00:34:39: Irgendwann wird's bestimmt mal sein.

00:34:41: Aber ich bin im True Crime Podcast vom Stadtanzeiger.

00:34:45: Da waren schon einige Fälle von mir, die behandelt wurden.

00:34:50: True

00:34:50: Crime steht ja oft auch in der Kritik, sagen wir mal, Geschichten zu sehr zu kommerzialisieren.

00:34:55: Und vielleicht auch die Opfer dabei zu vergessen.

00:34:58: Hab ich auch öfter mal gelesen.

00:35:00: Jetzt Frage an Sie.

00:35:01: Können Sie denn sicherstellen in Ihrer Berichterstattung, ob Zeitung oder Buch?

00:35:06: pietätvoll zu bleiben und die Würde der Opfer und der Angehörigen auch zu wahren?

00:35:10: Also ich möchte jetzt auch nicht großkotzig werden, aber ich glaube schon, dass ich allen Seiten immer versuche, gerecht zu werden.

00:35:16: Einfach intuitiv.

00:35:17: Also ich überlege mir das nicht groß, aber ich glaube, dass ich alle Seiten durchaus berücksichtige.

00:35:22: Und es hat es auch noch nie, manchmal gibt es ja Beschwerden, also von Kollegen.

00:35:26: Ich glaube, bei mir hat es... Ich kann mich zumindest nicht erinnern, vielleicht einmal am Anfang.

00:35:31: Doch es gab einmal, das war so peinlich, weil da ging es um einen Journalisten, der von der Bildzeitung, der ist inzwischen verstorben, deshalb kann man das erzählen.

00:35:39: Und er hatte irgendwas Schlimmes geschrieben, sag ich jetzt mal.

00:35:44: Ich weiß gar nicht mehr, was es war.

00:35:45: Und er war deshalb angeklagt, ich weiß jetzt noch nicht mehr, der in Straftat bestand.

00:35:49: Auf jeden Fall war er angeklagt und ich habe über ihn geschrieben, der windige ... Journalist, weil der so windig war.

00:35:56: Und der hatte einen sehr guten Verteidiger, auch der ist inzwischen verstorben, der Reinhard Birkenstock, der hat mir sofort eine Gegendarstellung reingedrückt.

00:36:02: Und dann bin ich auch Gott sei Dank auf die wunderbare Idee gekommen und hab gesagt, ich meinte nicht windig, sondern der wendige.

00:36:10: Sehr schön.

00:36:11: Und es war ja auch wendig.

00:36:13: Und da bin ich aus der Nummer rausgekommen.

00:36:15: Da hat er sich mit zufrieden gegeben.

00:36:16: Ich hab schon mal gesagt, aber noch mal zur Erinnerung, Sie beschäftigen sich jetzt seit über vierzig Jahren intensiv mit menschlichen Abgründen.

00:36:22: und den dunkelsten Seiten der Gesellschaft.

00:36:26: Wie sehen Sie persönlich Ihre Arbeit im Kontext so auch kristlichen Grundwerten?

00:36:30: Wir sind ja als TVJM-Haus.

00:36:33: Entsprechend vertreten, wo es dann in diesem Zusammenhang auch um Gedanken zum Nächsten, die Bevergebung und Hoffnung geht.

00:36:39: Das ist ja ein Kontrast auf eine gewisse Art und Weise.

00:36:41: Und vielleicht auch nicht.

00:36:42: Diese Begriffe sind mir ehrlich gesagt zu hochgesteckt, aber Fakt ist ja, ich habe eine christliche Erziehung genossen.

00:36:47: Ich bin ja Nondenschülerin, ich war bei den Martha-Salvatorianerinnen im Internat.

00:36:52: Sie sind

00:36:53: zum Kloster-Internat gegangen.

00:36:56: Ja, ich kann auch immer nur wiederholen, ich habe mich da sehr wohl gefühlt.

00:36:59: Und ich war auch nicht, wie sagt man, ein schwer erziehbares Kind oder schlecht in der Schule.

00:37:05: Ich wollte ins Internat.

00:37:06: Einfach weil meine Freundin von mir ging da auch hin.

00:37:08: Die allerdings hatte Probleme im Elternhaus und ich fand das, was sie erschilderte, so toll.

00:37:13: Und bin ich auch hingegangen.

00:37:14: Und im Nachhinein, ich war da fünf Jahre, während wir treffen hatten, haben die anderen immer gesagt, es ist eine schlimme Zeit gewesen.

00:37:18: Ich fand die immer toll.

00:37:19: Ich habe mich wohl gefühlt im Internat.

00:37:21: Ich fand das toll.

00:37:22: Auch wenn wir mussten Freitag in die Kirche.

00:37:25: Aber das fand ich nicht schlimm.

00:37:26: Gut, die Nonnen haben gesagt, wir durften keine Hosen tragen.

00:37:28: Das war natürlich ganz furchtbar.

00:37:29: Wir mussten dann die Röcke über den Hosen tragen.

00:37:31: Aber gut, das konnte man verschmerzen.

00:37:32: Und die Nonne, eine unserer Gruppennonne ist mit den damals breizehnjährigen, tatsächlich, das war ein Horrum, das Internat, und die ist mit uns nach Köln in die Sporteile zu den Bitches gefahren.

00:37:43: Das fand ich sensationell im Nachhinein.

00:37:52: Noch mal zurück zu Ihnen als Mensch.

00:37:53: Gestern im Vorgespräch, ich darf das auch einsprechen, haben Sie gesagt.

00:37:57: Haben Sie mir erzählt, dass bei Ihnen erst vor kurzem ADHS diagnostiziert wurde?

00:38:02: Das ist doch eine ziemlich späte Diagnose dafür, oder?

00:38:04: Ja, ist eine Unverschämtheit.

00:38:05: Aber man muss jetzt erfahren, was früher das Zappelfillipsymdrom war.

00:38:11: Da gab es ja auch noch keinen MRT.

00:38:12: Und man kann am MRT erkennen anhand, ich sag jetzt mal sehr leihenhaft, der Eiweißschlecken im Hirn, dass ADHS eine neuere Divergenz des Hirns ist.

00:38:20: Also sprich keine Erkrankung, sondern das Gehirn ist einfach anders ge- gepolt.

00:38:25: Das ist nichts Schlimmes.

00:38:26: Das ist nur, je nachdem, welchen Beruf man ausübt.

00:38:28: Und ich kann nur sagen, bei mir, auch wenn es erst spät erkannt wurde, mir war es dann vor ein Segen und es ist mir Schuppen von den Augen gefallen, warum ich so bin.

00:38:37: Aber für mich war das ein Segen, die Neugier, die schnelle, dieses Gleichzeitige, dieses zum Teil Unverschämte.

00:38:45: Also man kann auch sagen, respektlos auf die Leute zugehen.

00:38:47: In meinem Job optimal.

00:38:50: Im normalen Job wäre das unmöglich.

00:38:51: Aber ich bin ja.

00:38:52: Also, mich hat ja der Leiter der Hamburger Journalisten-Schule als Dampfer als zu bezeichnet, ist in dem Beruf wunderbar.

00:38:58: Sie dürfen einfach keine Angst haben.

00:39:00: Sie müssen drauf los.

00:39:01: Also, ich will jetzt nicht sagen, respektlos, das wäre zu weit.

00:39:04: Aber Sie müssen sich befreien von Betuligkeiten.

00:39:09: Man muss einfach machen.

00:39:10: Und das ist durch ADHS gefeuert worden.

00:39:13: Das war mir nur nie klar.

00:39:14: Es ist klar geworden, weil mein Sohn ADHS hat.

00:39:16: Und bei dem ist es richtig schlimm, weil der ja noch jung ist und der muss Ritalin nehmen.

00:39:22: Kompliment machen?

00:39:23: Ja, immerher damit.

00:39:25: Was mir von der ersten Minute des Kontakts aufgefallen ist, dass sie wirklich eine unglaublich kraftvolle und authentische Frau sind, die auch genau weiß, was sie will.

00:39:35: Das ist so mein Eindruck.

00:39:36: Stimmt.

00:39:37: Aber komischerweise ist das im... Also ich finde das ganz seltsam.

00:39:40: In Köln bin ich nicht so.

00:39:42: Also privat.

00:39:43: Würde ich eigentlich sagen, bin ich eher... Ich versteh selber nicht.

00:39:47: Ich hab mir mal überlegt, man ist ja immer das Ergebnis seiner Eltern.

00:39:50: Meine Mutter war eine unheimlich zurückgehalten, zurückgezogene, eigentlich schweigende Frau.

00:39:56: Und mein Vater war genau das Gegenteil.

00:39:58: Und ich hab das Gefühl, das hab ich mir gestern überlegt.

00:40:01: In Köln bin ich eher wie meine Mutter, die verstorben ist in diesem Jahr.

00:40:06: Und hier, egal wo, wenn ich aktiv draußen unterwegs bin.

00:40:10: Ich bin wie mein Vater.

00:40:11: Mein Vater war Handelsvertreter und als Kind bin ich mal mitgefahren.

00:40:14: Und ich fand das immer so peinlich, wenn der die Leute angesprochen hat.

00:40:17: Und wie der mit den Leuten umgeht.

00:40:19: Der war auch sehr authentisch.

00:40:20: Vertriebler,

00:40:20: ne?

00:40:20: Ja.

00:40:21: Und mein Sohn, der ist genau, wenn ich mit dem gehe.

00:40:23: Und dann, dass der Mama lasst das bloß sein.

00:40:25: Und wie du uns da furchtbar wie Paar, der findet das furchtbar peinlich.

00:40:28: Und ich glaube, der ist genauso wie ich und wird das später irgendwann mal merken.

00:40:32: Interessant.

00:40:32: Lass mal mal jetzt so stehen.

00:40:33: Was hat Ihr Vater vertrieben konkret?

00:40:35: Welche Produkte?

00:40:37: Heiz- und Massagekissen.

00:40:39: Hi, alles klar.

00:40:40: Gut.

00:40:41: Wir genießen hier die tolle Herbstimmung und zu einer gute Luft.

00:40:45: Abgesehen von der Stimmung und dem Ausblick gibt es kaum woanders.

00:40:49: Was mögen Sie?

00:40:50: Ganz besonders an Borkum.

00:40:54: Ich kann nur wiederholen die Luft, die Stille, die Ruhe.

00:40:59: Die Weite, ich war ja nun auch auf Langeoog und auf Neudanei, Neudanei ist mir zu groß, Langeoog ist sehr süß.

00:41:06: Aber hier bin ich direkt am Strand und hier bin ich, also hier geht es, ich bin hier irgendwie schneller da, wo ich hin will, weiß auch nicht wieso.

00:41:12: und eigentlich eine wunderbare Insel.

00:41:14: Wie gesagt, ich komme seit fünfzehn Jahren hierhin und weiß nicht, ob ich es schon erzählt habe, ich war ja meinem Gospelkur.

00:41:20: Und weil ich das hier so schön fand, hab ich gefragt, habt ihr Lust, wenn wir mal mit dem Chor hier hinkommen, habt ihr komplette Chor-Vaterien organisiert?

00:41:26: Wir haben drei Kirchen gefüllt, ausverkauft, das war richtig gut.

00:41:30: Gospelchor auf Borkum und sie waren die Organisatoren.

00:41:32: Ja, fand ich super.

00:41:34: Ja, das ging ja auch ratzfatz da angerufen, da gemacht, zack, und schon waren wir hier, das war schön.

00:41:44: Sie sind ja, glaub ich, auch schon zwei Tage vor ihrem heutigen Auftritt heute Abend in der Kulturinsel angereist.

00:41:50: Haben Sie sich schon ein bisschen gut gehen lassen?

00:41:52: Na ja, eigentlich weniger, weil ich akquirieren muss, wie verrückt.

00:41:56: Weil das Schade ist ja, dass hier hängen irgendwo Plakate.

00:41:59: Mein Ding ist es, auf die Leute zuzugehen, den Flyer in die Hand zu drücken und zu erklären.

00:42:03: Persönlicher

00:42:04: Ansprache, wie der Papa.

00:42:06: Genau,

00:42:06: wie der Papa.

00:42:07: Der Punkt ist aber, dass die Leute eigentlich in der Regel, ich komme mir da zwar immer auch prostituieren vor, aber auf der anderen Seite sind die Leute dankbar, zumindest die meisten, weil die sich gar nicht so vorstellen können, was da heute Abend passiert.

00:42:18: Und natürlich habe ich mir auch hier eine Massage gegönnt und eine Fußpflege.

00:42:22: Also, man kann sich ja auch was Gutes tun.

00:42:24: Und nächstes Jahr, wenn ich alle sieben Inseln mache, dann nehme ich mir sieben Wochen Zeit.

00:42:28: Und dann lasse ich, dann bin ich nicht mehr wiederzuerkennen, wenn ich nach Köln komme.

00:42:32: Hört sich doch noch einen richtig guten Plan an, auch was Sie jetzt hier schon gemacht haben in der Mixtur.

00:42:36: Man hat ja nur einen Nebenwasch.

00:42:37: Eben.

00:42:38: Und langer Oog hab ich relativ kurzfristig hintereinander geschaltet.

00:42:41: Und da war ich völlig am Arsch.

00:42:42: Entschuldigung.

00:42:43: Das war zu stressig.

00:42:45: Haben

00:42:45: Sie einen Lieblingsplatz auf Borkum, den Sie benennen könnten?

00:42:48: Ja, so hier in den Dünen.

00:42:50: Eigentlich immer nur in die Dünen, alleine, Ruhe.

00:42:53: Interessanterweise genau das Gegenteil von dem, was ich ja dann auch favorisiere.

00:42:56: Aber ja, so Ruhe.

00:42:58: Gab

00:42:58: es auf den austrisischen Inseln oder auch auf Borkum eigentlich schon mal so eine blutrünzige Morte oder Totschlaggeschichte, wissen Sie das?

00:43:05: Ich glaube nicht, hier passiert nichts.

00:43:07: Ich habe mal vor Jahren eine Geschichte mit einem Polizisten gemacht, weil ich das so spannend fand, wie dessen Alltag ist.

00:43:12: Da habe ich eine ganze Seite gemacht.

00:43:14: Und der hat erzählt, also das Telefon klingelt, wenn überhaupt einmal am Tag, also es ist nichts los und wenn überhaupt wird ein Fahrrad geklaut, aber das kann ja hier auch nicht weg.

00:43:23: Also das war eine ganz, ganz schöne Geschichte.

00:43:25: Der hat mir dann auch erzählt, dass Gerhard Schröder wohl eine Zeit lang hier ein Haus hatte oder hat noch.

00:43:30: Und das hätte er mir besser nicht erzählen dürfen.

00:43:31: Der ist dann straffersetzt worden, weil er mir das nicht erzählen durfte.

00:43:35: Weil er hat dann auch erzählt, dass die Einheiten, die die Personenschützer hier, wie die dann, wie ich das gehandhabt hab, mit Schröder, und da hat er Ärger bekommen.

00:43:44: Das hat mir richtig leid getroffen.

00:43:45: So, ich hab noch mal recherchiert.

00:43:47: Es gab tatsächlich, das müssen wir jetzt auch mal sagen, wir sind ja authentisch, es gab mal einen Raubmord auf Borkum.

00:43:53: Das ist jetzt über dreißig Jahre her.

00:43:56: Das war sogar ein XY-Gelöst.

00:43:57: Nee.

00:43:58: Haben die das gezeigt?

00:43:59: Und zwar war das ein Hotelier Conrad Romeny.

00:44:02: Das hat auch lange gedauert, bis die diejenigen gefunden haben, die es waren.

00:44:05: Das waren, wenn ich richtig informiert bin, ein Koch und ein Komplize.

00:44:09: Das

00:44:10: gibt's ja nicht.

00:44:11: Und von der Insel?

00:44:12: Aber hier auf der Insel ist die Welt auf jeden Fall noch in Ordnung grundsätzlich.

00:44:15: Das denke ich immer wieder.

00:44:16: Und eine Polizistin aus meinem Insel-Umfeld.

00:44:20: Hat mir das vor Kurzem auch noch mal bestätigt, ist ja auch gut so.

00:44:22: Ja, das hat sich, wie gesagt, das hat der Polizist mir damals ja auch so erzählt.

00:44:26: Und wir sind auch mit dem Polizeivagen dann auch mal unten rumgefahren.

00:44:29: Es war schön.

00:44:30: Mir kommt gerade noch ein spontaner Gedanke.

00:44:31: Wir haben uns jetzt gerade auf eine Bank gesetzt, um hier mal ein bisschen zu verwallen.

00:44:35: Sie brauchen wahrscheinlich auch unglaubliches Sitzfleisch als Gerichtsreporterin.

00:44:40: Sie haben ihr halbes Leben auf irgendwelchen Stühlen oder Benken verbracht.

00:44:42: Waren die wenigstens weich?

00:44:44: Nein, natürlich nicht.

00:44:45: Und vor allem, Sie müssen eins bedenken.

00:44:46: Ich habe es mir immer zur Aufgabe gemacht.

00:44:48: Also die Kollegen, Bildseitungen, Grundschau, DPA, die Agenturen, die sind ja alle relativ... Manche müssen ja besonders schnell sein, weil sie schnell rauspowern müssen.

00:44:57: Und ich habe es mir immer zur Aufgabe gemacht.

00:44:59: Du bleibst jetzt hier so lange sitzen, wie die Verhandlung geht, was ja manchmal auch nicht geht.

00:45:03: Also, wenn es bis siebzehn, achtzehn Uhr... der Redaktionsschluss ist um neunzehn Uhr.

00:45:07: Aber ich habe zum Beispiel in einem Fall, das war ein Fall, da ging es um das verschwundene Kind, will ich jetzt auch nicht mehr zu erzählen, aber da war um halb vier kam auf einmal eine ganz entsetzliche Information, die den Fall zur Zu was ganz Besonderem gemacht haben.

00:45:23: Das war wirklich der Hammer.

00:45:24: Um halb vier.

00:45:25: Da war keiner mehr da von den Kollegen.

00:45:26: Und ich hatte es dann als einzige.

00:45:27: Das ist dann auch das Plus, was man da abgrasen kann.

00:45:30: Aber es ist manchmal auch... Also erst mal habe ich mich immer geärgert, dass die Richter grundsätzlich... Wenn es heißt, die neun Uhr fängt es an, um viertel nach neun kommt.

00:45:39: Auch schon mal um halb zehn.

00:45:40: Für die ist Zeit ein anderer Dimension.

00:45:42: Sie

00:45:42: sind heute auch fünfzehn Minuten zu spät gekommen.

00:45:45: Ne, fünfzehn neun.

00:45:47: Ne, fünfzehn nicht.

00:45:48: Mindestens.

00:45:49: Nee, das ist

00:45:50: gar kein Problem.

00:45:52: Schreiben Sie Ihre vielen Notizen bei Gericht eigentlich per Stenno?

00:45:54: Können Sie das noch?

00:45:55: Oder alles neu modisch auf dem Laptop?

00:45:57: Noch können Sie vergessen, weil ich habe das nie gelernt.

00:45:59: Ich habe mich da geweigert, weil ich das blöd finde in der Schule.

00:46:02: Ich habe mich wirklich geweigert.

00:46:03: Ich kann unheimlich gut ... Zehn Fingersystem, weil ich auch Klavier gespielt habe früher.

00:46:08: Und ich war die Einzige zum Schluss, weil am Schluss standen die alle mit Handy oder mit Laptop die letzten Jahre.

00:46:14: Und ich habe immer nur Stift und Papier in der Hand, weil das ja auch wissenschaftlich bewiesen ist.

00:46:19: Was sie schreiben bleibt, im Gehirn besser hängen.

00:46:21: Ich habe Stichworte gemacht, Original-Zitate, schnell mitgeschrieben.

00:46:25: Ich war auch immer schneller fertig als die anderen, die im Laptop geschrieben haben.

00:46:28: Gut, die im Laptop direkt den Fall geschrieben haben.

00:46:31: Der war dann auch nicht so unbedingt so gut, denn die schreiben es ja direkt runter.

00:46:35: Und das ist ja auch nicht mein Bestreben gewesen, das muss ja auch ein bisschen aufgebaut werden.

00:46:38: Ne, ich schreibe immer noch mit der Hand.

00:46:40: Also lange Weile kommt bei Ihnen als Rentnerin ja auch irgendwie die gar nicht auf.

00:46:45: Sie tun zurzeit durch Halbdeutschland und haben Auftritte mit ihrem sogenannten Crime Talk an allen möglichen Stellen.

00:46:51: Im nächsten Jahr geht es auch fleißig weiter, habe ich auf der Website gesehen.

00:46:55: Mit dabei sind dann auch ... Ein paar True-Crime-Kreuzfahrten.

00:47:00: Und so, jetzt kommt's zum Beispiel mit der Aida in Südafrika oder Nico Cruises beinahe Flusskreuzfahrt.

00:47:06: Wie sind Sie denn dazu gekommen?

00:47:07: Das hört sich ja ziemlich fett an, sag ich mal, ziemlich gut an.

00:47:11: Ja, mir fällt immer nachts, wenn ich schon mal wach werde, denke ich, wo könntest du noch überall auftreten?

00:47:17: Und dann rufe ich da an und stelle mich vor und schreibe eine E-Mail und dann klappt das oder es klappt nicht.

00:47:21: Also, ich bin in der dominikanischen Republik nächstes Jahr drei Wochen und in Südafrika zwei Wochen mit Namibia.

00:47:28: Wie heißt das?

00:47:29: Safari.

00:47:29: Ich freue mich da wie Bolle drauf.

00:47:31: Toll.

00:47:31: Trieten Sie denn auf den Schiffen dann an mehreren Tagen der Reise auf oder nur einmal?

00:47:35: Nee,

00:47:35: zwei, drei ... Ja, aber ich hab ja genug im Repertoire.

00:47:38: Wie waren denn jetzt die letzten Veranstaltungen, die Sie absolviert haben?

00:47:42: Gibt's da interessante Fragen auch von Gästen?

00:47:44: Ja.

00:47:45: Können Sie mal ein, zwei zum Besten geben?

00:47:47: Erst mal muss ich sagen, dass die Bude immer voll ist.

00:47:50: Die Hütte ist voll, weil ich bin eigentlich immer ausgebucht.

00:47:53: Aber die Fragen sind völlig unterschiedlich.

00:47:55: Da sind eigentlich die Fragen eigentlich ganz ehrlich, die Sie mir auch gestellt haben.

00:47:58: Wie stecken Sie das weg?

00:47:59: Verhandeln Sie das gerecht?

00:48:01: Was ist der wesentlichste Fall gewesen sind eigentlich identische Fragen.

00:48:06: Dann bin ich ja umso gespannter.

00:48:08: Auf Ihren Auftritt heute Abend, hier auf der Insel Borkum.

00:48:11: Das geht's los.

00:48:12: Fast schon direkt nach unserem Interview.

00:48:15: Vorher hab ich noch eine schöne Behandlung.

00:48:18: Tickets kosten vierzehn bis sechszehn Euro an der Abendkasse.

00:48:21: Wie sehen Ihre beruflichen Pläne für die nächste Zeit aus, Frau Drack?

00:48:24: Ich hab ein neues Konzept für Köln mir überlegt.

00:48:28: Bei einer Freundin war eine Geburtstagsparty angesagt.

00:48:31: Dreizig Leute.

00:48:32: Dann hat die mich gefragt, soll man nicht als Krönung meiner Party einen kleinen Talk machen?

00:48:37: Lass mal einen Hut rumgehen, weil das ist jetzt privat gewesen.

00:48:40: Und das war dann so... sensationell, dass ich mir überlegt habe, das mache ich jetzt mal und habe dann auch die Zeitung angerufen.

00:48:46: Die haben dann auch einen Artikel darüber verfasst, von Saal zweihundertzehn und vom Schwurgerechtsaal ins Wohnzimmer.

00:48:52: Und da haben sich jetzt auch schon Leute gemeldet.

00:48:54: Das heißt, Jubiläen, Firmen, Geburtsersfeiern, Hochzeiten, irgendein größerer Anlass, wo dreißigvierzig Leute sind, kam jetzt schon zwei größere Anfragen von zwei Seniorenresidenzen, aber die alten Leute wollen ja auch was hören.

00:49:09: Und ich finde die Idee fantastisch.

00:49:12: Ja, ich bin mal gespannt, was sich da tut.

00:49:14: Wird es vielleicht ein drittes Buch von Ihnen geben?

00:49:16: Es gibt sogar ein Drittes.

00:49:18: Das Dritte ist eine Fallsammlung.

00:49:20: Da muss aber der Verlacher sehen, wie sich das Nummer zwei verkauft.

00:49:23: Ich hab den Verlach gewechselt.

00:49:25: Der erste war bei Lübe, das erste Buch ist bei Lübe erschienen.

00:49:28: Das zweite bei Heine, weil bei Lübe die Lektorin zu Heine gegangen ist und gesagt hat, ich nehm dich mit, ich find dich toll, kannst direkt bei uns das nächste schreiben.

00:49:37: Wenn sich das gut verkauft, das weiß ich nicht, ist Nummer drei in Arbeit.

00:49:41: Nummer vier, das ist der größte Witz.

00:49:43: Das hab ich nämlich erst gar nicht so ernst gemeint.

00:49:45: Ich hab denen gesagt, hört mal, ich könnte eigentlich auch ein Buch schreiben, Tatortrente, alles ist möglich, man muss es nur tun.

00:49:51: Und das fanden die Kreis so toll.

00:49:53: Und haben gesagt, schreibt mal eine Exposé, das klingt gut.

00:49:56: Also ich bin eigentlich beschäftigt, ich weiß gar nicht, wann ich das alles schaffen soll.

00:49:59: So,

00:49:59: dann kommen wir mal langsam zum Ende des heutigen Interviews.

00:50:02: Vielen Dank an der Stelle.

00:50:03: Ich bedanke mich, dass Sie mir die Möglichkeit gegeben haben, mal so alles von der Seele zu reden.

00:50:07: Freu ich mich sehr, dass das so funktioniert hat.

00:50:10: Und wir haben uns ja auch gut die Bälle zugeworfen.

00:50:12: Wir

00:50:12: haben uns doch gut verstanden.

00:50:13: Ich hoffe, wir haben niemanden verschreckt mit den teils heftigen Inhalten.

00:50:16: Das soll natürlich nicht der Sinn sein.

00:50:17: Ich würde gerne schließen mit einer Frage, die Sie quasi mit dem aktuellen Buch auch selbst so ein bisschen aufgeworfen haben.

00:50:23: Mit dem Titel.

00:50:24: Waren, verbrechen.

00:50:25: Und jetzt kommt es.

00:50:26: Und die Suche nach Antworten.

00:50:28: Welche Antwort ist denn nun Ihre dazu?

00:50:31: Vielleicht angelehnt auch an den Spruch.

00:50:33: Wie war das?

00:50:33: Der Mensch ist sein eigener, schlimmster Feind.

00:50:35: Das glaube ich von Nietzsche.

00:50:37: Ich hab da keine allgemeingültige Antwort drauf.

00:50:40: Kann ich Ihnen keine geben?

00:50:41: Das müsste man ja dann auch wieder, finde ich, individuell sehen.

00:50:44: Fall für Fall ist ja immer unterschiedlich.

00:50:47: Also zum Beispiel bei dem Rattenfall hätt ich eine andere Antwort.

00:50:50: Der ist böse.

00:50:51: Also das ist ganz schlimm.

00:50:52: So was gibt's eben dann doch auch.

00:50:53: Gott sei Dank nur sehr selten.

00:50:55: Oder dann das Gegenstück ist der faule Hund, die arme Sau.

00:50:58: Das ist so unterschiedlich.

00:50:59: Deshalb finde ich es schwierig, da allgemeingültige Antworten zu finden.

00:51:03: Also Food for Sort, ein Denkanstoß zum Abschluss hier, es bleibt spannend.

00:51:07: Dann drück ich jetzt gleich mal den Stoppknopf und ich möchte nicht vergessen, ich lade sie dann gleich noch ein zu einem schönen Kaffee oder Ostfriesen-Tee in unserem Kaffee Villa Victoria.

00:51:17: Dort gibt es ja auch sehr bequeme Stühle, die sind nicht hart und sie können gleichzeitig in Wester-Eins-Ahrlage dann auch aufs Meer schauen.

00:51:24: Das ist eine gute Idee, machen wir das doch.

00:51:25: Super.

00:51:26: Das

00:51:30: war der Podcast mehr und mehr auf Borkum, präsentiert vom CVJM-Gästehaus Villa Victoria.

00:51:39: Wir wünschen Ihnen einen schönen und erholsamen Inselurlaub.

00:51:43: Und denken Sie immer mal wieder daran, auf Borkum können Sie rund um die Uhr echte Freiheit atmen.

00:51:50: Genießen Sie es!

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